Analyse
Die Schweiz überzeugt: Das BMXHUB-Ranking im Oktober 2026
Seit unserer ersten Ausgabe vom 16. Juni hat sich an den internationalen Startgates einiges verändert. Die Europameisterschaft in Sarrians, die Weltmeisterschaft in Brisbane und vier Weltcups in China haben neue Titelträger hervorgebracht, Nachwuchsfahrer in der Elite ankommen lassen und vermeintlich klare Kräfteverhältnisse verschoben. Deshalb ist es Zeit für das zweite BMXHUB-Nationen-Ranking 2026.
Das BMXHUB-Ranking ist eine redaktionelle Einschätzung. Entscheidend sind Ergebnisse und Konstanz in der Elite, die Stärke bei Frauen und Männern, mehrere konkurrenzfähige Fahrerinnen und Fahrer sowie die Entwicklung in U23 und Junioren.
Die Besonderheit von Brisbane
Bei der WM wurden die für Sonntag vorgesehenen Rennen wegen starken Windes abgesagt. Die UCI erklärte die Ergebnisse der letzten abgeschlossenen Wettbewerbsphase zur endgültigen Wertung. Für die Formbewertung bleibt jedoch wichtig, dass die Fahrerinnen und Fahrer ihre Positionen nicht mehr in den abschließenden direkten Duellen verteidigen mussten. Wir beziehen diese WM dennoch mit ein.
1. Frankreich
Frankreich hat seine große Stärke bestätigt: Selbst wenn einzelne Stars fehlen oder ein Finale schiefläuft, stehen weitere Fahrer bereit. Bei der EM belegten Mathis Ragot Richard, Jérémy Rencurel und Léo Garoyan die ersten drei Plätze der Elite-Männer; Axelle Etienne gewann Bronze bei den Elite-Frauen. Ragot Richard wurde anschließend in der offiziellen WM-Wertung Dritter. Arthur Pilard gewann den fünften Weltcup vor Evan Oliviera.
Besonders überzeugend bleibt die U23: In Chongli gewann Pierre Geisse beide Rennen; am Sonntag folgten Clément Rocherieux, Mathis Jacquet und Arthur Bretin Monard auf den Plätzen zwei bis vier. Frankreich hat damit weiterhin mehrere Fahrer, die internationale Rennen gewinnen können. Über die Saison und die Klassen hinweg ergibt das für Frankreich das überzeugendste Gesamtbild und Platz eins.
2. Schweiz
Die Schweiz gehört sportlich zur engsten Spitzengruppe. Schon in Papendal hatte Loris Aeberhard zwei Elite-Weltcups gewonnen. Seitdem kam die nächste Bestätigung: Mark Lüthi und Alexandre Emmel holten bei der EM Gold und Silber in der U23, David Ferreira Junioren-Bronze und Zoé Claessens Elite-Silber. Im sechsten Weltcup gewann Claessens, während Filib Steiner im Männerfinale Dritter wurde.
In Chongli folgte das auffälligste Ergebnis des Herbstes: Cédric Butti gewann am 11. Oktober vor Lüthi, Steiner und Tristan Borel. Lüthi hatte vor diesem Wochenende von der U23 in die Elite gewechselt und war sofort vorne dabei. Zur Einordnung gehört allerdings auch der Sturz mehrerer Konkurrenten in der ersten Kurve. Der Vierfach-Erfolg ist deshalb ein starkes Ergebnis, aber kein Beweis dafür, dass die Schweiz unter allen Rennbedingungen die ersten vier Plätze besetzt hätte.
Entscheidend ist das Gesamtpaket: Claessens war schon am Samstag Dritte, Nadine Aeberhard am Sonntag Vierte. Mehrere konkurrenzfähige Elite-Männer, zwei starke Elite-Frauen und nachgewiesene Nachwuchsleistung machen die Schweiz zu einem besonders vielseitigen Team. Die WM brachte ihr zwar keine Medaille; Claessens wurde Vierte und Nadine Aeberhard Siebte. Die Leistungen bei EM und Weltcups rechtfertigen für uns dennoch Platz zwei.
3. Niederlande
Oranje verbindet Titel mit bemerkenswerter Konstanz. Laura Smulders gewann die EM, wurde WM-Dritte und siegte in den Weltcup-Runden fünf und acht. Nach Chongli führte sie die Weltcup-Gesamtwertung an. Renske van Santvoort gewann sowohl den U23-EM-Titel als auch den U23-WM-Titel; Jesse de Veer holte WM-Silber bei den U23-Männern.
Auch der Übergang in die Elite ist sichtbar: Casper Pipers stand im siebten Weltcup erstmals auf dem Elite-Podium, van Santvoort erreichte am folgenden Tag das Elite-Finale. Das ist weiter ein hervorragender Kader. Den Ausschlag zugunsten der Schweiz geben bei dieser Ausgabe deren jüngste Ergebnisse in beiden Elite-Klassen und die zusätzliche Dichte im Männerteam.
4. Australien
Australien verfügt auch bei den Männern über eine starke internationale Spitze. Jesse Asmus wurde in Brisbane Elite-Weltmeister, Joshua Jolly U23-Weltmeister. Jolly wechselte anschließend für die China-Weltcups in die Elite, wurde bei seinem ersten Start Dritter und gewann die Runden sechs und sieben. Damit hat sich Jolly auch außerhalb der U23 als siegfähiger Elite-Fahrer etabliert.
Saya Sakakibara gewann WM-Silber, fehlte in China aber verletzt. Sienna Pals Podium in Mentougou und Teya Rufus' erstes Elite-Podium in Chongli zeigen, dass Australien trotzdem konkurrenzfähig bleibt. Für die Einordnung auf Platz vier ist der Vergleich der Gesamtpakete entscheidend: Die Schweiz überzeugt besonders mit ihrer jüngsten Breite, die Niederlande mit der Konstanz über mehrere Wettbewerbe.
5. Großbritannien
Großbritannien ist nach diesem Sommer viel mehr als Bethany Shriever. Die WM brachte Shrievers Elite-Titel, Ross Cullens Elite-Silber sowie Gold und Silber für Freia Challis und Elsa Rendall Todd bei den Juniorinnen. Rendall Todd hatte zuvor schon die Juniorinnen-EM gewonnen. Vier WM-Medaillen aus drei Klassen belegen sowohl die Stärke der Elite als auch die Qualität des Nachwuchses.
Die Form hielt bis Oktober: Shriever gewann Runde sieben und wurde in Runde acht Zweite. Junioren-Weltmeisterin Challis gewann im Weltcup-U23-Feld alle vier China-Rennen. Großbritannien verfügt damit über eine erfolgreiche Elite-Spitze und einen Nachwuchs, der international bereits Rennen gewinnt. Für einen Platz unter den ersten vier fehlt uns im Vergleich weiterhin die ähnlich breite Elite-Männerbasis.
6. Kanada
Kanadas internationale Stärke reicht über Molly Simpson hinaus. Lucas Zhou gewann in Brisbane den Junioren-WM-Titel. Dazu erreichten Keira Murphy und Victoria Dubé beim abschließenden China-Weltcup das U23-Finale. Kanada hat inzwischen weitere konkrete Ergebnisse vorzuweisen, statt nur Nachwuchshoffnungen hinter seiner Elite-Spitze.
Simpson blieb gleichzeitig im Kampf um die Weltcup-Gesamtwertung: In Mentougou wurde sie Zweite. Die Plätze sieben und 16 in Chongli bremsen allerdings die jüngste Formkurve. Das ergibt für Kanada ein starkes, aber noch nicht durchgehend ausgeglichenes Gesamtbild. Für die Einordnung vor Nationen, die in mehreren Elite-Klassen um Siege fahren, fehlt derzeit die entsprechende Elite-Breite.
7. USA
Die USA zeigen ihre internationale Konkurrenzfähigkeit derzeit besonders im Nachwuchs: Alexis Alden gewann U23-WM-Bronze, Tommy Bruney Junioren-WM-Bronze. In Chongli stand Bruney zudem auf einem U23-Podium, Derin Merten wurde an beiden Tagen U23-Zweite.
In der Elite fehlen dagegen jüngste Spitzenresultate, die mit den Erfolgen des Nachwuchses vergleichbar wären. Cameron Wood wurde in der WM-Wertung Zehnter, Daleny Vaughn Achte. Die Nachwuchsresultate sprechen für ein konkurrenzfähiges Programm. Im Gesamtvergleich gewichten wir die WM- und Weltcup-Erfolge der Schweiz, Großbritanniens und Kanadas jedoch stärker.
8. Kolumbien
Kolumbiens Männerteam bleibt international gefährlich. Juan Velásquez Carmona wurde im siebten Weltcup Zweiter; in der WM-Wertung lagen Mateo Carmona García auf Platz sieben und Diego Arboleda auf Platz neun. Das sind belastbare Leistungen, auch wenn es diesmal nicht zum WM-Podium reichte.
Auch im Nachwuchs gibt es konkrete internationale Ergebnisse: Die Juniorinnen Valentina Jiménez Ramírez und Guadalupe Palacios Palomeque wurden in Brisbane Sechste und Achte. Von einer generellen Nachwuchslücke kann deshalb nicht die Rede sein. Für eine Einordnung in der engeren Spitzengruppe fehlen zusätzliche Elite-Podien bei den Frauen. Platz acht würdigt die Männerstärke und die Nachwuchsresultate, berücksichtigt aber auch diese Lücke.
9. Neuseeland
Bei den Kiwis sind aus guten Ansätzen inzwischen klare Ergebnisse geworden. Leila Walker wurde in Chongli Zweite und am nächsten Tag Fünfte. Lily Greenough fuhr in Mentougou zweimal auf das U23-Podium. Dazu kamen Platz fünf für Rico Bearman in der Elite-WM-Wertung und Platz vier für Greenough in der U23-Wertung.
Neuseeland bleibt kleiner als die großen Teams, belegt seine Konkurrenzfähigkeit aber inzwischen sowohl in der Elite als auch im Nachwuchs. Die Ergebnisse von Walker, Bearman und Greenough bilden die Grundlage für unsere Einordnung auf Platz neun.
10. Lettland
Lettlands stärkstes Argument sind konkrete internationale Meisterschaftsergebnisse: Veronika Sturiška gewann U23-Silber bei der EM und bei der WM. Zwei internationale Meisterschaftsmedaillen in derselben Saison sind ein konkreter Beleg für Spitzenklasse.
Die Stärke konzentriert sich noch auf wenige Fahrerinnen und Fahrer. Für die Plätze vor Neuseeland fehlt uns die zusätzliche Breite aktueller Elite-Ergebnisse. Für die Top zehn reicht die bestätigte U23-Spitze dagegen aus.
11. Dänemark
Dänemark bleibt konkurrenzfähig, erreicht zuletzt aber seltener internationale Spitzenplätze als die Nationen unmittelbar davor. Malene Kejlstrup erreichte bei der EM Platz sechs in der Elite. In der WM-U23-Wertung wurden Rasmus Simonsen Neunter und Jonas Idskov Zwölfter.
Das ergibt ein solides Gesamtbild. Im direkten Vergleich haben Neuseeland mit Elite-Podien und Lettland mit zwei U23-Meisterschaftsmedaillen jedoch die stärkeren Spitzenresultate vorzuweisen. Für Dänemark fehlt derzeit ein vergleichbares Ergebnis, das eine Einordnung weiter vorne rechtfertigen würde.
12. Belgien
Belgiens Nachwuchs überzeugt durch mehrere international konkurrenzfähige Fahrerinnen und Fahrer. Bei der EM wurden Valerie Vossen, Aiko Gommers und Robyn Gommers in der U23 Vierte, Fünfte und Sechste; Niels Appermont wurde bei den U23-Männern Vierter. Beim letzten China-Weltcup kam Yorgi Piccart im U23-Finale auf Platz sechs.
Was weiterhin fehlt, ist die Umsetzung dieser Breite in regelmäßige Elite-Podien. Für die Einordnung im Mittelfeld ist genau dieser Unterschied entscheidend: Belgien hat eine solide U23-Basis, aber noch nicht die Elite-Ergebnisse der stärker bewerteten Nationen.
13. Italien
Italiens größtes sportliches Argument ist seine Juniorenspitze: Marco Del Tongo gewann die Junioren-EM vor Alex Chiandetti. Del Tongo wurde zudem in der offiziellen Junioren-WM-Wertung Achter und erreichte im achten Weltcup das U23-Finale.
Für eine Platzierung weiter vorne fehlen noch entsprechend starke internationale Elite-Ergebnisse. Der Nachwuchs hat seine Konkurrenzfähigkeit aber auch über Europa hinaus gezeigt. Das rechtfertigt für uns Platz 13.
14. Deutschland
Das deutsche Zwischenfazit verdient einen differenzierten Blick auf Elite und Nachwuchs. Emil Brosz wurde bei der EM Fünfter und in der offiziellen Junioren-WM-Wertung Vierter. Lina Kaiser erreichte bei der EM Platz sieben und wurde bei der WM Zwölfte. Diese Ergebnisse sind konkrete Fortschritte.
Der Abstand zur internationalen Elite-Spitze bleibt dagegen bestehen. In der Elite-WM-Wertung war Jan Anton Jakob Skrzypek auf Platz 28 der beste Deutsche. Im direkten Vergleich gewichten wir Italiens Junioren-EM-Doppelsieg stärker.
15. Tschechien
Sabina Košárková bleibt Tschechiens wichtigster internationaler Bezugspunkt. Zu ihrer Saisonbilanz gehört auch der U23-Weltcupsieg in Papendal. Seitdem wurde sie U23-EM-Siebte und in der U23-WM-Wertung Sechste. Marek Neužil wurde in der Elite-WM-Wertung 27.
Das ist mehr als nur eine Hoffnung für die Zukunft. Im Vergleich zu den Nationen davor konzentriert sich die internationale Spitze allerdings auf wenige Namen. Für unsere Einordnung auf Platz 15 ist deshalb die geringe Breite entscheidend, nicht das Fehlen einer konkurrenzfähigen Nachwuchsspitze.
Das BMXHUB-Fazit
Die Schweiz verbindet starke Ergebnisse in beiden Elite-Klassen mit einer überzeugenden Nachwuchsbasis. Dieses Gesamtpaket rechtfertigt Platz zwei. Frankreich bleibt der Maßstab für einen großen, international konkurrenzfähigen Kader; die Niederlande und Australien bilden mit ihren Erfolgen bei Frauen, Männern und Nachwuchs weiterhin die engste Verfolgergruppe.
Hinter diesen vier Nationen werden die Unterschiede kleiner. Großbritannien und Kanada belegen ihre Stärke mit Meisterschaftsmedaillen und international erfolgreichem Nachwuchs. Bei Deutschland lohnt ein genauerer Blick auf die Junioren, statt die Elite-Ergebnisse auf das gesamte Programm zu übertragen. Italien überzeugt besonders mit seiner Juniorenspitze.
Diese Reihenfolge ist eine begründete Momentaufnahme, keine errechnete Punktetabelle. Gerade im Mittelfeld liegen unterschiedliche Stärken nah beieinander. Das Weltcup-Finale in Sarasota wird die Saisonbewertung noch einmal ergänzen; bis dahin ist dies unser Stand nach EM, WM und dem China-Block.
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