Hinter einer der wohl bekanntesten Stimmen des BMX-Sports steckt Mike „Redbone“ Redman – eine echte BMX-Legende aus Kalifornien. Und das Bemerkenswerte daran: Auch Jahre nach seinem Tod begleitet Redman noch immer Fahrerinnen und Fahrer auf der ganzen Welt bei einem der spannendsten Momente jedes Rennens.
Eine Stimme, die um die Welt ging
Kurz bevor acht Fahrer gleichzeitig versuchen, den perfekten Start zu erwischen, wird es auf dem Starthügel ruhig.
Die Räder stehen am Gate, die Fahrer balancieren auf den Pedalen und warten.
Dann kommt:
„OK riders, random start.“
Eine kurze Pause.
„Riders ready? Watch the gate.“
Danach entscheidet nicht mehr der Sprecher, wann es losgeht. Seit Einführung der sogenannten Random Cadence im Jahr 2007 folgt eine zufällig lange Verzögerung. Laut UCI können zwischen dem Ende der Ansage und dem ersten Signal 0,1 bis 2,7 Sekunden liegen.
Dann kommen vier Signaltöne und die dazugehörigen Startlichter. Beim vierten Signal beginnt das Gate zu fallen.
Genau diese Zufälligkeit macht den Start so anspruchsvoll: Die Fahrer können den Moment nicht einfach auswendig lernen oder anhand eines festen Rhythmus vorwegnehmen. Sie müssen warten, reagieren – und dann innerhalb eines Augenblicks volle Leistung abrufen.
Und die Stimme, die sie unmittelbar davor hören, ist die von Mike Redman.
Aber wer war Mike Redman?
Redman war weit mehr als nur der Mann, dessen Stimme irgendwann aufgenommen wurde.
Seit den 1970er-Jahren gehörte er zur amerikanischen BMX-Szene und war im Laufe seines Lebens praktisch in jeder denkbaren Rolle im BMX Racing aktiv: als Fahrer, Trainer, Unternehmer, Teambetreiber, Fahrradhersteller, Streckenbetreiber und vor allem als Rennsprecher.
Mit MRC – Mike Redman Concepts und später Redman Bikes war er auch geschäftlich im BMX-Sport aktiv. Er leitete erfolgreiche Teams und betrieb unter anderem die BMX-Strecke Grand Prix BMX in Lake Perris, Kalifornien.
Vor allem aber hatte Redman eine Stimme, die perfekt zum BMX Racing passte.
Er kommentierte Hunderte große nationale Veranstaltungen und unzählige weitere Rennen. Für Generationen amerikanischer BMX-Fahrer gehörte „Redbone“, wie Redman genannt wurde, deshalb ohnehin zur Geräuschkulisse des Sports.
Dann wurde seine Stimme endgültig unsterblich.
Die Aufnahme der Startsequenz landete in den BMX-Startsystemen – und verbreitete sich weit über die USA hinaus.
BMX News brachte es nach Redmans Tod auf den Punkt: Wer BMX Racing fährt, hat Mike Redman gehört. Seine Stimme ist die Stimme der Start-Cadence auf BMX-Bahnen weltweit.
Eine kleine Aufnahme wird Teil des Sports
Das Kuriose daran ist, wie selbstverständlich wir diese Stimme heute wahrnehmen.
Man denkt kaum darüber nach.
Ein Nachwuchsfahrer steht irgendwo in Europa zum ersten Mal nervös am Gate und hört:
„Riders ready? Watch the gate.“
Ein paar Wochen später steht ein Olympiasieger bei einem großen internationalen Rennen auf dem Starthügel – und hört dieselben Worte.
Natürlich verwendet nicht zwingend jede einzelne BMX-Bahn der Welt exakt dieselbe Starterbox. Aber die Kombination aus der international standardisierten Startprozedur und Redmans berühmter Aufnahme hat seine Stimme zu einem der wohl bekanntesten Sounds im BMX Racing gemacht.
Die UCI selbst bezeichnet die Startkommandos als etwas, das praktisch jeder kennt, der schon einmal ein BMX-Rennen gesehen hat.
Ein letztes leeres Gate
Mike Redman starb am 17. Juni 2023 an den Folgen eines Schlaganfalls, den er wenige Tage zuvor erlitten hatte. Seine Familie und enge Freunde waren bei ihm.
In der BMX-Welt löste die Nachricht große Anteilnahme aus.
Eine der schönsten Ideen zu seinem Abschied hatte dabei ausgerechnet mit jenem Geräusch zu tun, das ihn überleben sollte.
BMX-Strecken rund um die Welt wurden dazu aufgerufen, zu Ehren von Mike Redman ein einziges leeres Startgate fallen zu lassen.
Keine Fahrer.
Kein Rennen.
Nur die Stimme.
Die Signaltöne.
Und das fallende Gate.
Ein passender Abschied für jemanden, dessen Leben so eng mit BMX Racing verbunden war.
„Watch the gate“ – für immer
Vielleicht ist das gerade das Schöne an dieser Geschichte.
Mike Redman war kein Olympiasieger, dessen Name bei jedem Rennen auf Ergebnislisten auftaucht. Viele junge BMX-Fahrer werden seinen Namen vermutlich überhaupt nicht kennen.
Seine Stimme kennen sie trotzdem.
Wenn irgendwo ein Kind zum ersten Mal am Gate steht, wenn bei einem nationalen Rennen acht Fahrer um den Holeshot kämpfen oder wenn die besten BMX-Racer der Welt auf den Start warten, kann dieser kurze Satz ertönen:
„Riders ready? Watch the gate.“
Mike „Redbone“ Redman starb 2023.
Aber beim BMX Racing steht er gewissermaßen noch immer bei unzähligen Starts mit am Gate.
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